In der vorliegenden Fallstudie wurden drei essentielle Prozesse eines Klinikalltags nachmodelliert, in denen mit der Unterstützung von Smartphones Verbesserungen erzielt werden können. Dabei wurde eine Optimierung des Informationsmangements bei den Prozessen „Notfallbehandlung auf der Intensivstation“, „Visite“ und „Notfalltransport“ näher untersucht.
- Wie werden diese Technologien eingesetzt?
Optimierung des Informationsmanagements bei der Notfallbehandlung auf der Intensivstation
Bei der Behandlung auf der Intensivstation kann jede eingesparte Minute Leben retten. Einschlägige Zeiteinsparungen durch den Einsatz von Smartphones lassen sich hier durch wegfallende Organisationsbrüche und Transportvorgänge realisieren. Anstelle eines allgemeinen Alarmtriggers am Bett (der schlichtweg über die Annahme anormaler Vitalfunktionen informiert) werden nun spezifische, medizinisch relevante Daten an einen zentralen Server geschickt, der nach Auswertung der Informationen anhand vordefinierter Regeln die nächsten Schritte einleitet. Sollte es sich schlichtweg um eine simplen Missstand wie einen leeren NaCl-Tropfbehälter handeln, wird lediglich im Schwesternzimmer darauf aufmerksam gemacht. Andernfalls leitet das System den spezifischen Alarm auf direktem Wege an das Smartphone des zuständigen Stationsarztes weiter. Dieser nimmt nach wie vor die Untersuchung im Patientenzimmer vor und benachrichtigt gegebenenfalls einen Spezialisten. Im Gegensatz zum aktuellen Vorgehen, geschieht dies allerdings durch die einfache Weiterleitung des bei ihm eingegangenen Alarms durch einen (anhand des medizinischen Fachgebiets) automatisch vorgeschlagenen Experten. Sollte der ausgewählte Facharzt nicht verfügbar sein, wird das System noch effizienter: Während bisher der diensthabende Stationsarzt unter Umständen mehrere Telefonate führen musste, um Ersatz zu finden, kann nun innerhalb des Spezialistennetzwerks basierend auf einer Vertretungsrangfolge ohne Zeitverlust und vollautomatisiert eine passende Aushilfe alarmiert werden.
Somit lässt sich der Überprüfungsvorgang durch die Krankenschwester mit dem Einsatz von Smartphones automatisieren und der Informationsfluss während der gesamten Prozesslaufzeit effizient beschleunigen. Unter Berücksichtigung des vorgestellten Konzepts kann die Prozessdauer um bis zu 40% reduziert werden!
Optimierung des Informationsmanagements bei der Visite
Eingebunden in eine adäquate IT Infrastruktur, können dank Smartphones auch bei Routinetätigkeiten wie der Visite enorme Prozessverbesserungen erreicht werden. Durch den Wegfall sämtlicher Medienbrüche als auch vieler Transportvorgänge ergeben sich bei der optimierten Visite merklich spürbare Effizienzsteigerungen.
Anstatt die aktuellen Patientendaten beim morgendlichen Rundgang zuerst schriftlich festzuhalten und diese anschließend im Schwesternzimmer zu digitalisieren, werden die Werte der Patienten von der Krankenschwester noch vor Ort direkt über ein Smartphone in der zentrale Datenbank gespeichert. Die hierbei gesammelten und mit der elektronischen Akte konsolidierten Daten werden den Ärzten für das täglich geplante Briefing visualisiert (etwa über die Projektion mit Hilfe eines Beamers). Im Anschluss daran wird in unveränderter Vorgehensweise der Patientenbesuch und die Medikamenten- bzw. Therapieverordnung vorgenommen. Allerdings wird dies, anstatt wie bisher papiergebunden, via Smartphone in der elektronischen Patientenakte protokolliert. Krankenschwestern und Therapeuten wiederum entnehmen ihre Anweisungen dieser elektronischen Akte via mobiler Endgeräte und vermerken hierin den Therapieerfolg. Aufgrund der durchgängig digitalen Speicherung und Verarbeitung der Patientendaten entfällt die nachträgliche Digitalisierung der während jedes einzelnen Prozessschrittes angefertigten Vermerke.
Die Zeiteinsparungen belaufen sich gemäß unserer Kalkulationen auf bis zu 50% (vgl. Transport-, Liege- und Bearbeitungszeiten) – Zeit, die sowohl für die Entlastung des Krankenhauspersonals genutzt als auch der intensiveren Betreuung von Patienten gewidmet werden kann.
Optimierung des Informationsmanagements beim Notfalltransport
Im Gegensatz zu den vorher behandelten Prozessen, rührt die Zeitersparnis beim Notfalltransport nicht primär von der Eliminierung von Medien und Organisationsbrüchen her, sondern von der Substitution der manuellen Notfallaufnahme durch ein automatisiertes System (basierend auf der bereits vorher bei der Notfallbehandlung beschriebenen Notfall Policy) und der vorgezogenen Übermittlung von detaillierteren (!) Informationen und gegebenenfalls Fotos des Notfalls.
Letztlich lässt sich hierdurch und dank eines durchgängig digitalisierten Informationsflusses laut unserer Kalkulationen eine weitere Zeitersparnis von rund 30% erzielen und dem Patienten eventuell aufgrund qualitativ hochwertigerer und frühzeitiger bereitgestellten Informationen eine verbesserte Behandlung bieten.
Die vorgestellten Verbesserungs- und Optimierungsvorschläge wurden hier in einem ersten Schritt durch ein Studententeam simuliert.
Der Einsatz von Smartphones wirkt in drei Richtungen: Es können sowohl Kosten, wie auch Zeit gespart werden, als auch Qualitätsverbesserungen angestoßen werden. Die Kostenreduktion wird durch eine Vermeidung von Papierkosten, geringeren Fehlerfolgekosten, geringeren Archivierungskosten und einer Vermeidung von Doppeluntersuchungen erreicht. Die Zeitersparnis gelingt durch eine Senkung der Transport-, Liege- und Bearbeitungszeiten, durch Einsparung wertvoller Arbeitszeit und durch schnelleren Zugang zu Informationen. Eine Qualitätssteigerung wird durch Fehlervermeidung, höhere Patientenzufriedenheit, höhere Transparenz, einfachere Datenverwaltung und höhere Versorgungsqualität erzielt.
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1 year 16 weeks ago